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Sachgrundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen

Eine Odyssee für Arbeitnehmer*innen!

Nach einer Erhebung des statistischen Bundesamtes, befanden sich im Jahr 2018 8% aller Arbeitnehmer*innen ab 25 Jahren in einem befristeten Arbeitsverhältnis. Ganze 55,5% in einem Vertrag mit einer Laufzeit von unter einem Jahr. Der Anteil der Frauen betrug hier sogar 57,0 Prozent, dem gegenüber kommen männliche Beschäftigte auf 54,1%.

Insgesamt 1,5 Millionen der 2,7 Millionen befristet Beschäftigten, besaßen einen Zeitvertrag von unter einem Jahr.

Im Falle einer sachgrundlosen Befristung bedarf es weder einer ordentlichen Kündigung, noch einer Aufhebung des Vertrags. So finden Rechtsvorschriften des Kündigungsschutzgesetzes oder das Mutterschutzgesetz keine Anwendung. Weder eine Anhörung des Betriebsrates, noch eine behördliche Zustimmung muss vorliegen.

Arbeitspsychologen schlagen Alarm. Die dauerhafte Unsicherheit im Job, stellt einen erheblichen Stressfaktor für betroffene Arbeitnehmer*innen dar.

In Luftschlössern lässt es sich nicht leben.

Zukunftsängste: Tägliche Begleiter! Betroffene haben weder die Möglichkeit Immobilienkredite zu bekommen, noch können sie eine Familienplanung in Angriff nehmen ohne ein gesichertes Einkommen.

Während die Betriebe also planen können und auf der sicheren Seite sind, sich der Arbeitnehmer*innen bei Bedarf bequem entledigen zu können, sehen sich die Beschäftigten einer andauernden quälenden Ungewissheit ausgesetzt.

Besonders hart trifft dieser Umstand die jungen Berufstätigen. Von allen 20-24 Jährigen hatten 43% einen befristeten Arbeitsvertrag. Statt Sicherheit, gerade für junge Menschen zu gewährleisten, sehen sie sich ständig mit einer ungewissen Zukunft konfrontiert, die es schlicht nicht ermöglicht, zu planen.

Auch die saarländischen Ministerien und Behörden bekleckern sich diesbezüglich nicht mit Ruhm! Über ein Drittel (35,05%) der Beschäftigten befinden sich hier in sachgrundlos befristeten Arbeitsverhältnissen. Hier führt ausgerechnet die Staatskanzlei des Ministerpräsidenten mit unglaublichen 88% befristeter, sachgrundloser Arbeitsverhältnisse, die Statistik an. Auch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr erreicht noch ganze 62,96 %. Auch sogenannte Kettenbefristungen sind in saarländische Behörden und Ministerien keine Seltenheit. Ein Umstand der weder normal noch tragbar sein kann! Vielleicht sollte sich die saarländische Landesregierung einmal fragen, ob sie sich hier nicht in der Verantwortung sieht, einmal mit gutem Beispiel voranzugehen und die Übernahme der befristeten Arbeitsverhältnisse in ordentliche Arbeitsverhältnisse zu vollziehen?

 

Es muss die Frage gestellt werden, ob der Umstand der sachgrundlosen Beschäftigung weiterhin überhaupt tragbar sein kann und darf?

Die vielen Arbeitnehmer*innen, die sich so von Verlängerung zu Verlängerung hangeln und irgendwie versuchen müssen, ihr Leben zu planen, ihren Familien Sicherheit zu gewährleisten, dürfen dieser Situation nicht dauerhaft ausgesetzt werden.

Feste Arbeitsverträge bedeuten auch Vertrauen, Wertschätzung und Motivation in und für die Mitarbeiter*innen! Faire Arbeitgeber sollten sich dessen bewusst sein.

Eine Abschaffung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverhältnissen ist für eine sichere Zukunft der Beschäftigten unabdingbar.

 

Quellen:

Destatis.de (Statistisches Bundesamt)

Bento.de

SZ vom 16.04.‘20